Ensemble Plus probt für neuestes Stück: Glückskind

Theatrale Begegnungen der Generationen voller Spielfreude ©Stefan Weigand
Marianna blickt entgeistert auf den Brief in ihrer Hand. Plötzlich fällt die 29-jährige Pflegefachkraft steif wie ein Brett nach hinten um. Besorgt stürzen Clara und Kosima, die bis eben noch damit beschäftigt waren, ein frisch verliebtes Pärchen zu sein, auf sie zu. Ein kurzer Moment der Spannung, dann steht Marianna schon wieder auf. Erleichterung überall, Gelächter, Applaus. Das war offensichtlich nur ein besonders überzeugend wirkender Probensturz. „Leute, was macht ihr für Sachen?“, ruft gut gelaunt Martina Maria Reichert aus dem Hintergrund. Tatsächlich sind es ganz besondere Sachen, die diese „Leute“ da machen, im Rahmen eines Projekts, das sich inzwischen zu einem ganz einzigartigen Phänomen der Haller Stadtgesellschaft entwickelt hat: In einem Intensivwochenende proben rund 50 Menschen völlig unterschiedlichsten Alters und aus den unterschiedlichsten beruflichen Richtungen miteinander, um das neueste Stück des Ensemble Plus der Freilichtspiele Schwäbisch Hall zur Aufführung zu bringen. Das kunst- und liebevoll zusammengestellte Märchen-Potpourri „Glückskind“ feiert Premiere am 21. Februar um 18 Uhr im Neuen Globe.
„Ich habe schon in Martinas letztem Projekt eine von vielen 'Momos' gespielt, und jetzt eine von vielen 'Glückskindern' und ich mag den Kontrast sehr'“, berichtet die 18-järige Clara Pluntke von der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall. Das Stück „Glückskind“, inszeniert von der Regisseurin und Schauspielerin Martina Maria Reichert, erzählt von einem Findelkind, das sich auf den Weg zur Hölle und zurück macht, in seiner Mission, die von ihm heiß geliebte Prinzessin heiraten zu dürfen. Dabei begegnet es auf dem Weg einer ganzen Reihe von Märchenfiguren und es kommt immer wieder zu berührenden und skurrilen Szenen. „Während Momo ein Mädchen war, das erstmal zugehört hat, ist das Glückskind recht frech und mutig und probiert vieles aus.“ Um als Spielerin auch selbst den Mut zu finden, immer wieder Neues auszuprobieren, hilft es sicherlich auch, sich in der Gruppe sehr wohlzufühlen. „Das 'Glückskind'-Ensemble fühlt sich für mich wie eine kleine Familie an“, sagt sie.
Die „charmante Nachdrücklichkeit“ der Regisseurin schätzt auch der 65-jährige Ulrich Lauterbach. Er arbeitet im „echten Leben“ im Zukunftsmanagement und als Ingenieur bei Würth, ist aber schon seit 2009 bei unterschiedlichen Amateurtheatergruppen aktiv, unter anderem beim Theater im Fluss in Künzelsau. Er spielt einen König, der dem Glückskind sein Leben besonders schwer macht – und fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle. „Ich sehe eine wichtige Aufgabe von mir darin, in allen Teilnehmenden eine große Spielfreude und ihre grundeigene Kreativität zu fördern, Impulse zu sehen und zu vergrößern“, so Reichert.
Gefühlvoll dirigiert Martina Maria Reichert ihr gewaltiges Ensemble, achtet genau auf Nuancen und Atmosphären, ist dabei immer unbedingt behutsam, fürsorglich und so motivierend, dass sie wohl sicherlich sogar den VfB Stuttgart zum Erreichen des Champions League-Finales coachen könnte. „Unser Versuch ist es, die typischen Themen von Märchen mit der Struktur einer klassische Heldenreise zu verknüpfen, dabei unseren Helden auch auf eine sehr bedeutsame innere Reise zu schicken“, sagt sie. „Um damit so erfolgreich wie möglich sein, war es mir wichtig, wieder ein sehr homogenes Ensemble zu haben, mit Menschen, die sich voll aufeinander verlassen können.“
Wie gut der Zusammenhalt in diesem Projekt funktioniert, zeigt sich auch hinter und neben der Bühne, wo stets eine ganze Reihe an Menschen aufmerksam dabei ist und bereit, zu unterstützen, wo es gerade nötig ist. Dazu zählt die Kulturgestalterin Linda Jäschke (45), die bereits zum zweiten Mal bei einem Ensemble Plus-Projekt mitwirkt. Bei „Glückskind“ filmt sie mit, souffliert geduldig und wird dann bei den Vorstellungen für einen reibungslosen Ablauf hinter der Bühne sorgen. „Man sieht einfach, wie so ein Projekt etwas bei Menschen bewirkt“, sagt sie. „Sie bekommen mehr Selbstbewusstsein, neue Freundschaften entstehen – für so etwas leiste ich einfach gerne einen Beitrag.“
Wie bei zahlreichen bisherigen Projekten arbeitet Martina Maria Reichert erneut mit der beliebten Schauspielerin Christine Dorner zusammen, die erst vor wenigen Wochen das Publikum im Neuen Globe mit ihrem Solo von Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“ beeindruckte. „Ich habe bei 'Glückskind' überhaupt nicht das Gefühl, ein Profi unter Laien zu sein“, findet sie. „Vielmehr lerne ich immer wieder Neues, gerade durch die Frische und die Spielfreude, aber auch durch die Lebenserfahrung der Anderen.“
Auch viele Kinder sind beim Projekt der Freilichtspiele mit Begeisterung dabei. „Meine 10-jährige Tochter Svala hat mich richtig angebettelt, dass sie auch mitmachen möchte“, berichtet die Lehrerin Sandra Traphöner. „Und jetzt spielen wir beide mit und es macht uns immer noch riesigen Spaß!“ Wer sich also vom Spielspaß des Ensemble Plus der Freilichtspiele anstecken lassen und das „innere Glückskind“ in sich selbst entdecken möchte, sollte also die Premiere des Stücks am 21. Februar oder einen der weiteren Termine am 22. und 28. Februar sowie am 1. März nicht verpassen.
Karten Online unter: www.freilichtspiele-hall.de
Telefonisch bei der Tourist Information Schwäbisch Hall: Telefon 0791 751-600
Wir freuen uns auf Ihren Besuch
Ihr
Team der Freilichtspiele