Lustvoller Kampf gegen den Tod

Eröffnungswochenende des Sommerprogramms mit Premieren von „Jedermann“ auf der Großen Treppe und „Ewig Jung“ im Neuen Globe

Mit gleich zwei Premieren eröffnen die Freilichtspiele Schwäbisch Hall am kommenden Wochenende ihr Sommerprogramm 2019. Auf der Großen Treppe vor St. Michael beginnt die Spielzeit am Samstag, 22. Juni, um 20.30 Uhr mit Hugo von Hofmannsthals Schauspiel „Jedermann“, dem Stück, mit dem die Freilichtspiele vor 94 Jahren ihren Anfang nahmen. Bereits einen Tag zuvor, am Freitag, 21. Juni, um 20 Uhr zeigen die Freilichtspiele erstmals die musikalische Komödie „Ewig Jung“ im Neuen Globe.

„Jedermann“: Ende eines Höhenflugs

Wer in den vergangenen Wochen über den Schwäbisch Haller Marktplatz lief, konnte bereits das zerborstene Flugzeug auf der Großen Treppe vor St. Michael sehen, welches in der „Jedermann“-Inszenierung von Intendant Christian Doll die Szenerie bestimmt. Bühnen- und Kostümbildnerin Cornelia Brey hat sich dieses Sinnbild zusammen mit dem Regisseur erdacht, als Verweis auf die plötzliche Umkehrung eines Lebensentwurfes, der vom Glauben an Geld und Macht geprägt war. „Da ist kein Ding zu hoch noch fest, was sich von Geld nicht kaufen lässt“, sagt der vermessene Reiche, der allen Fragen nach seinem Gewissen ausweicht, bis er sich angesichts seines Todes diesen stellen muss.

Gunter Heun spielt Jedermann

Gunter Heun, im letzten Jahr als Wilhelm Tell auf der Großen Treppe, wird den Jedermann spielen, Christine Dorner dessen Mutter und Gott, Martina Maria Reichert die Buhlschaft und Stefan Lorch den Tod. Johannes Weik komponierte die Musik und wird das Mysterienspiel mit akustischer Gitarre, siebensaitiger E-Gitarre und Banjo live vor der Kirche begleiten. Als Freunde, Diener, Nachbarn, Glaube und Werke sind zu sehen: Alexander Martin, Kerstin Marie Mäkelburg, Claudius Freyer, Tabea Scholz, Frerk Brockmeyer und Rouven Magnus Stöhr. Außerdem wirken drei Schülerinnen aus Schwäbisch Hall mit, sie werden abwechselnd das Kind des Schuldknechts geben.

„Ewig Jung“: Abrocken im Altersheim

Während sich „Jedermann“ mit dem Sterben auseinandersetzt, spielt die musikalische Komödie „Ewig Jung“ im Neuen Globe lustvoll und lebensfroh mit dem Älterwerden. Schauplatz für Erik Gedeons Stück ist das Neue Globe selbst – in einer 50 Jahre entfernten Zukunft. Inzwischen ist das im vergangenen März eröffnete Freilichttheater zu einem Altersheim umfunktioniert worden. Seine Bewohner: die gealterten Stars des Freilichtspiele-Ensembles, die in Erinnerungen an frühere Zeiten schwelgen und mit Klassikern wie „Born to be wild“, „Forever Young“ oder „Sex Bomb“ noch einmal so richtig die Bühne abrocken.

Voller Spielfreude

Regie bei der mitreißenden Komödie, die auch Platz für melancholische und nachdenkliche Momente lässt, führt der Schauspieler und Regisseur Thomas Goritzki, der in den vergangenen Jahren bereits mehrere Stücke im alten Haller Globe Theater und auf der Großen Treppe inszenierte. „Mit der Aufforderung, sich selbst im Alter von rund 90 Jahren zu spielen, ist ‚Ewig Jung’ ein echtes Schauspielerstück“, beschreibt er. „Es ist ein großer Spaß, die Darsteller zu beobachten, wie sie das voller Lust und Spielfreude umsetzen. Das geht sehr ans Herz – und ich habe selten bei Proben so viel gelacht, und manchmal sogar geweint!“ Auf der Bühne sind zahlreiche dem Haller Publikum gut bekannte Darsteller zu erleben: Ernst Matthias Friedrich gab sein Haller Debüt 2012 in „Black Rider“, Alice Hanimyan und Dirk Weiler spielten gemeinsam in „Don Camillo und Peppone“, „Die Wahlverwandtschaften“ und „Wilhelm Tell“, und Anja Gutgesell und Udo Eickelmann waren im Vorjahr in „Saturday Night Fever“ und „In der Bar zum Krokodil – Ab in die wilden 20er“ zu erleben. Erstmals im Ensemble ist die Schauspielerin Franziska Becker. Die musikalische Leitung übernimmt Stephan Kraus, der auch selbst als um 50 Jahre gealterter Pianist auftritt.

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